Schon seit geraumer Zeit, denke ich mein Leben als Garten. Der Idee des sich in Bewegung befindlichen Flusses der sich durch die Landschaft windet, wich die Vorstellung eines Raumes in der Welt, der aktiv und unmisverständlch Teil derer ist und von Jahreszeiten, Klima und Pflege mitbestimmt wird.
Wachstum als Bewegung
Der Fluss ist eine bedeutsame Metapher für das Leben, weil wir damit unsere Lebenszeit als Bewegung von einem Ursprung, durch die Landschaft der Welt konzeptionalisieren können. Der Wasserstand ist nicht immer gleich hoch und wie gut unser Fluss fließt, hängt von der Beschaffenheit der Welt ab, durch die wir uns durchschlängeln.
So schön wie dieses Bild ist, so fehlt mir jedoch ein wichtiger Aspekt - die bewusste Gestaltung. Ein Garten entsteht jedoch dort, wo wir mit den natürlich Prozessen des Wachstums entschieden intervenieren, oder belassen. Wachstum und Bewegung sind nicht so stark voneinander entfernt. Wo etwas wächst, bewegt sich über immerhin auch etwas. Ist in der Metapher des Flusses die Bewegung das bedeutende Charakterstika, so ist es im Garten das Wachstum.
Anders als der Fluss braucht die Bewegung im Garten keine Richtung. Durch die Richtung entsteht erst Linearität, die auch einen klaren Anfang und ein weniger klares Ende mit sich bringt. An ihre Stelle tritt im Garten die Zirkularität. Aus der Linie wird ein Kreis, der nicht nur Synergie und Wechselbeziehung symbolisiert sondern auch an die vielfältigen Zyklen erinnert, die unseren Garten mit formen. Es sind diese Zyklen, die die Rolle der Beschaffenheit der Landschaft in der Metapher des Flusses übernimmt.
Ein Ort
Der Kreis bringt auch die Idee der Abgrenzung mit. Denn er schließt etwas ein und damit etwas anderes aus. Es gibt ein Innen und ein Außen. Nicht alle Gärten haben deswegen haushohe Mauern die ihn einsperren, aber man könnte argumentieren, dass die Fähigkeit des Gartens sich von der Landschaft in der er sich befindet abzugrenzen ihn erst zum Garten selbst macht.
Ob diese Grenze ein fließender Verlauf von Flora ist oder einen Schlüssel benötigt um eintreten zu können, entscheiden wir dabei selbst. Und so sehen wir uns nicht als Kapitän:innen eines Schiffes am Fluss des Lebens, sondern als Gärtner:innen unseres Lebensgartens.
Langfristigkeit
Wo unser Garten sich abgrenzt, hätte auch ohne ihn Wachstum stattgefunden. Daher ist es unsere Aufgabe, jenes Wachstum bewusst zu steuern, anzuregen oder zu beenden, wo wir es für angemessen erhalten. Wir säen Samen, kümmern uns um die Bodenbeschaffenheit, bewässern unsere Pflanzen, schützen vor Gezeiten und entfernen Unkraut.
Wie erfolgreich wir darin sind wird sich letztendlich zu einem Großteil von unserem Willen langfristig zu denken abhängig machen. Wer einen Garten pflegt, weiß dass sie sich nicht nur auf Gezeiten sondern auch unkontrollierbare Wetter-Events vorbereiten kann. Ob wir uns damit für jede erdenkliche Situation vorbereiten, hängt wohl auch von unserer individuellen Art zu gärtnern ab.
Manche Gärten begeistern durch die Schönheit der Unbelassenheit, deren Wege nur dort entstanden sind, wo jemand sie oft genug gegangen ist. Und manch ein Garten ist ist unmissverständlich ein Spiegelbild der Gärtnerin, die ihn mühevoll pflegt.
Verschiedenheit als Leitdifferenz
Wer einen Garten nutzen möchte, sich von ihm nähren und erhalten möchte, muss auf mehr als nur ein Gewächs bauen. Nicht nur sorgt Diversität im Garten für Resilienz im Umgang mit Schädlingen und Wetter sondern sie sorgt auch für Ertrag im Einklang mit den bedeutsamen Gezeiten. Sowie Kapitän:innen unterwegs auf Lebensflüssen ihr Boot steuern müssen, um nicht gegen die Gewindungen der Landschaft zu prallen, so müssen Gärtner:innen im Bewusstsein um die Zyklen des Gartens Wachstum steuern.
Ich sehe mich heute also mehr Gärtner:in. Ich säe viele verschiedene Projekte und nicht alle davon gehen ganz auf. Nicht alles davon kann geerntet werden. Aber manches fermentiert und anderes kompostiert. Da ich jedoch nie nur auf eine einzige, sondern immer auf eine Vielzahl von verschiedenen Pflanzen setze, ist ein gewisser Ertrag immer gewährleistet.
Anders aber als Kapitän:innen, kann ich nicht nur das Ruder drehen. Der Garten wächst zwar alleine, aber damit er wächst, wie ich es visioniere, muss ich als Gärtner immer was tun. Aber abhängig von der Jahreszeit, bedeutet das natürlich nicht immer nur harte Arbeit.
