Jetzt laufe ich schon seit 3 Jahren

Seit dem ich im August 2022 mit dem Laufen begonnen habe, hat sich auch deswegen viel verändert.

In meinen frühen 20ern ist mir etwas Lustiges aufgefallen. Während Andere vom Fliegen beim Träumen erzählten, träumte ich stattdessen davon, mühelos und in Windeseile loszulaufen. Und ganz oft würde ich dann dabei fliegen. 2014 hab ich dann auch meine ersten Lauf-Versuche gestartet, aber nach nur drei Wochen, hat mich die Begeisterung verlassen. Die Erfolgsmomente sind einfach ausgeblieben.

Und dann, im Sommer 2022, hat sich wieder ein neues Fenster geöffnet. Ich zog aus meiner ersten Wohnung in die Nächste und musste, aufgrund der Nähe der neuen Wohnung Möbel und Kartons großteils von Hand schleppen. Nach zwei Tagen, in denen ich täglich mehrere Schleppzüge hinter mich bringen musste, fühlte ich mich zwar erschöpft aber auch sehr zufrieden.

Nachdem ich den Umzug letztendlich hinter mich gebracht hatte und ich mich in meiner neuen Wohnsituation ausruhte, tat sich plötzlich eine Leere auf, die mir äußerst bekannt war. Sie fühlte sich seltsam ähnlich wie jene an, die ich mich durch meine Essstörung begleitet hatte.

Aber ich verspürte auch das große Bedürfnis, nicht zu denselben Mechanismen zu greifen, die schon zuvor nicht wirklich funktioniert hatten. Dann formulierte sich eine kurze Idee in meinem Kopf. Wäre nicht jetzt der ideale Zeitpunkt, mit dem Sporteln zu beginnen?

Nur ein paar Minuten hat es dann gedauert, ehe ich dann bei 32°C auf dem Asphalt mit den Nordic Walking Poles unterwegs - denn diesen Moment der Motivation wollte ich nicht verstreichen lassen. Und schon nach 15 Minuten merkte ich: Das reicht nicht.

Am nächsten Tag lief ich dann stattdessen los. Ein bisschen laufen, dann gehen. Dann wieder laufen, wieder gehen. Nach 12 Minuten war ich erledigt. Aber motiviert. Nach einem Tag Pause ging's wieder los, diesmal waren's schon 22 Minuten, und ehe ich mich versah, war ein Monat vergangen und die 5-Kilometer-Distanz war geschafft.

In den folgenden Monaten konnte ich dann mit ganz kleinen Erhöhungen nicht nur meine Distanz auf über 10 Kilometer erhöhen, sondern mittlerweile auch auf Gehpausen völlig verzichten. Und dann lief ich am 25.12.2025 das erste Mal die Halbmarathon-Distanz. Seither habe ich nicht aufgehört zu Laufen. Ich denke vom Laufen als "Training". Denn ich versuche nach wie vor, mich kontinuierlich zu verbessern.

Bereicherungen durch das Laufen

Das Laufen hat mein Leben um viele unerwartete Aspekte bereichert. Von den körperlichen, gesundheitlichen Vorteilen mal abgesehen, gibt es nun regelmäßige Anlässe, Zeit im Freien zu verbringen. Das führt dazu, dass ich auch die oft sehr kurzen Jahreszeiten wie der leuchtende Herbst und der duftende Frühling in ihrer Gänze wahrnehmen kann.

Der Winter wird durch die körperliche Anstrengung ein wenig wärmer und der Sommer beginnt für mich früher und endet auch später. Die Hitze beim Laufen - in unbedenklichen Dosen natürlich - macht außerdem die meiste Hitze des Alltags mehr als erträglich. Und das für mich früher so unangenehme Schwitzen gehört dann auch zum Normalzustand und lässt im übrigen Alltag mehr oder weniger kalt.

Das Laufen hat sich auch als äußerst effektives Werkzeug zum emotionalen Processing herausgestellt. Oft gehe ich auch außerhalb meines Trainingsrhythmus laufen, um Gefühle fließen zu lassen, und sie eventuell auch besser zu verstehen. Und dasselbe gilt natürlich auch für die kreisenden Gedanken, die sich oft entwirren lassen, wenn ich mich in Bewegung gebracht habe.

Besonders unerwartet war das veränderte Raumgefühl, das sich durch das Laufen eingestellt hat. Denn durch meine immer größer werdenden Distanzen, musste ich bald Orte und Wege meiner Umgebung entdecken, die mir vorher ganz unbekannt waren. "Wo ich wohne" hat sich durch das Laufen also bedeutend vergrößert!

Das Laufen trainiert aber hauptsächlich meine Ausdauer. Dadurch kann ich so meiner großen Leidenschaft, dem Wandern, ohne große Vorbereitung nachgehen. Heute kann ich auch Distanzen von über 30 Kilometern an einem Tag wandern, ohne dass sie mich zu sehr schlauchen. Muskelkater kenne ich diesbezüglich eigentlich gar nicht mehr.

Die Zukunft

...hält hoffentlich noch mehr Laufen für mich bereit. Heute laufe ich auch gerne mit Freund:innen. Irgendwann möchte ich auch mal auf organisierte Lauf-Urlaube gehen. Und irgendwann weiter möchte ich natürlich auch mal einen Marathon laufen. Bis dahin ist es aber noch ein großes Stück. Meine größte Distanz liegt momentan bei 23,8 Kilometern - da kommt also noch recht viel.

Die wichtigste Lektion, die mich das Laufen jedoch gelehrt hat, ist die Notwendigkeit, selbst die größten Ziele in kleinste, tatsächlich aus eigenen Kräften gehbare Schritte, runter zu brechen.

Heute kann ich zwar noch keinen Marathon laufen, aber beim nächsten Halbmarathon könnte ich 200 Meter weiter laufen. Und beim nächsten Mal dann noch 200 Meter, und so weiter...

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